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Freitag, 6. November 2020

Laudatio auf Freiburgs beste Lehrerin Ulla Jäger

Edgar Kösler hält die Laudatio auf Ulla Jäger | Foto: pixabay

Rektorin Ulla Jäger
von der Grundschule Kollmarsreute (Emmendingen) ist Freiburgs Lehrerin des Jahres 2020. Bei der Preisverleihung am Donnerstag, 6. November, hat Bildungsexperte und Lehrerpreis-Juror Edgar Kösler die Laudatio auf sie gehalten. Darin lobt er inbesondere das ganzheitliche Konzept der Schule und verleiht den Preis auch dem gesamten Kollegium. 

Laudator: Edgar Kösler

Laudatio von Edgar Kösler

bis Sommer 2020 Leiter der Katholischen Hochschule Freiburg

"Wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, und mir überlege, bei wem ich viel gelernt habe, dann waren das immer Lehrer*innen, von denen ich mich akzeptiert fühlte und die Interesse an mir und meiner Entwicklung zeigten. Es waren Lehrer*innen, die andererseits klare Anforderungen stellten, mir etwas zugetraut haben, die mir echte Rückmeldungen und damit das Gefühl gaben, ernst genommen zu werden.  

Solche Erfahrungen – und das wissen wir auch aus wissenschaftlichen Untersuchungen – verweisen darauf, dass gerade die Beziehungsqualität zwischen Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern ein wesentliches Fundament für eine gute Schule und eben auch ein entscheidender Nährboden für das Lernen ist.

Preisträgerin: Ulla Jäger

Aus dieser Perspektive
betrachtet ist die Grundschule in Kollmarsreute, die von Ihnen, Frau Jäger, geleitet wird, eine gute Schule. Darauf machen verschiedene Aussagen von Schüler*innen und Eltern aufmerksam, die Sie, Frau Jäger, für den diesjährigen Lehrerpreis vorgeschlagen haben:

Sie werden beschrieben als eine Rektorin, die wertschätzend und empathisch den Kindern entgegentritt, die Schüler*innen nicht in Schubladen steckt, sondern sie sehr ressourcen- und stärkenorientiert betrachtet und jede einzelne Person so respektiert, wie sie ist. 

Sie werden beschrieben als eine Rektorin, die mit vollem Herzen, hohem Einsatz und scheinbar endloser Geduld sich für die Ihnen anvertrauten Schüler*innen und ihre Schule engagieren.

Als die Schule wegen Corona geschlossen war, haben Sie, Frau Jäger, so wird berichtet, den Schüler*innen ihrer Klasse alle Aufgaben mit ihrem Böllerwagen persönlich nach Hause gebracht und sich nach jedem Kind erkundigt. Auch telefonisch waren Sie mehrfach wöchentlich im Kontakt mit den Eltern. Sie erfanden eine wöchentliche Morgenpost, die von Ihnen immer freitags in den Briefkasten der Familien geworfen wurde: In der Morgenpost konnte man kurze Informationen über Corona, das Rätsel und einen Witz der Woche finden, aber auch Erlebnisse, Versuche oder gezeichnete Kunstwerke, die Schüler*innen zuvor an Sie, Frau Jäger, geschickt hatten.

Immer wieder wird darauf verwiesen, wie gut Sie es schaffen, eine gute Unterrichtsatmosphäre herzustellen und erfolgreichen Unterricht zu gestalten. Die Kinder können oft in vielfältigen Projekten ganz praktisch arbeiten. Beispielsweise haben die Schüler*innen der zweiten Klasse ein Tagebuch über das Leben in einer Baumwiese gemacht. Ihre Beobachtungen und Erkenntnisse haben die Kinder in Form von Texten, Fotos und Basteleien festgehalten.  

Oder sie lernen forschend, wenn sie Schnecken in einem Terrarium beobachten, was diese zum Leben und sich Fortpflanzen brauchen. So entstehen öfter Projekte einfach aus den Alltagsfragen der Schüler*innen. 

Daneben können die Schüler*innen mehrfach im Schuljahr ihr hohes musikalisches und schauspielerisches Talent bei musikalischen Aufführungen unter Beweis stellen.  So machte sich z.B. im Oktober 2018 die 3. Klasse gemeinsam mit ihrer Lehrerin auf den Weg zum neu eröffneten DRK-Seniorenheim, um dort ein kleines Programm zu präsentieren. Dies war Beginn einer wertvollen Kooperation, die einerseits Freude bringen aber auch helfen soll, Berührungsängste zwischen Jung und Alt abzubauen.

Daneben gibt es eine Vielzahl konzeptionell in das Schuljahr integrierte Projekte: In einem Gewaltpräventionsprojekt können die Kinder lernen, Konflikte konstruktiv zu lösen. Jede Klasse macht einmal ein Hörspiel. In der ersten und zweiten Klasse wird ein Wiesenprojekt, in der dritten und vierten Klasse ein Waldprojekt durchgeführt.

Das zeigt, dass an Ihrer Schule die Kinder ganzheitlich gefördert werden und die Entfaltung ihrer individuellen Begabungen im Mittelpunkt steht. Jedes Kinder wird mit seinen unterschiedlichen Stärken gesehen und so sein Selbstwert und Selbstvertrauen gefördert. Über all die geplanten und situativ entstehenden Projekte hinaus macht die Grundschule Kollmarsreute durch ihr ganz besonderes Schulkonzept auf sich aufmerksam: 

Sie ist zertifiziert als eine „bewegte Schule“. Der traditionelle 45 Minutentakt im Unterricht ist aufgelöst. Die Kinder beginnen die Woche und den Tag immer mit ihrer Klassenlehrerin. Jeden Morgen gibt es zunächst ein Zeitfenster für Musik, dann kommt die Begrüßungsrunde, anschließend ein Block Deutsch und Mathematik, dann das Bewegungsangebot und in den Randstunden alle weiteren Nebenfächer. Der rhythmisierter Schulalltag gibt den Kindern Orientierung und Halt.

Die tägliche Bewegungszeit und die wiederholte Thematisierung und Umsetzung der gesunden Ernährung dienen der Gesunderhaltung der Kinder und regen einen achtsamen Umgang mit dem eigenen Körper an.  

Die tiergestützte Pädagogik mit den beiden Schulhunden Raika und Seska sind ein weiterer Bestandteil des pädagogischen Profils der Grundschule Kollmarsreute, der sich auch förderlich auf das Sozialverhalten der Kinder auswirkt. 

Hinzu kommt eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern und dem Elternbeirat der Schule. Sicherlich gäbe es noch viel mehr Positives zu berichten. Dennoch müsste spätestens jetzt deutlich geworden sein, dass zu diesem Gesamtkunstwerk, das sich vor unserem geistigen Auge gerade beeindruckend entfaltet hat, nicht nur eine sehr kreative und ermöglichende Schulleiterin, sondern ein ebenso engagiertes Kollegium gehört, das mit der Schulleiterin intensiv in einer sehr vertrauensvollen Atmosphäre zusammenarbeitet und dieses Gesamtkunstwerk jeden Tag neu entstehen lässt und weiterentwickelt.  

Und weil das so ist, haben wir uns in der Jury entschieden, Ihnen, Frau Jäger als Rektorin und damit gleichzeitig auch ihrem Kollegium den diesjährigen Lehrerpreis zu verleihen.

Herzlichen Glückwunsch!

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